Volonteer-"11 Monate Sommer" von Raphael Griesbaum

- Abschlussbericht meiner Zeit als Volontär -
Es ist 6:30 morgens - mein Handy läutet den neuen Tag ein. Verschlafen klettere ich aus meinem Moskitozelt und mache mich auf Richtung Badezimmer. Dort stelle ich fest, dass der Wasserhahn heute leider kein Wasser herausgeben will. Gut, dass wir etwas Wasser in einer Regentonne gespeichert haben - so muss ich nicht ungewaschen in den Tag starten.
Nach einem reichaltigen Frühstück mit frischen Brötchen, Erdnussbutter und Honig mache ich mich zusammen mit Silas auf Richtung Büro. Dort warten Briefe der Paten und der Kinder darauf, endlich in die Übersetzung zu kommen oder den Empfänger zu erreichen. Als ich den PC hochfahre, schaltet Silas schon mal schöne Musik zum wachwerden ein. Heute ist mein Glückstag - wir haben Strom im Büro und sogar das Internet funktioniert. Also kann der Arbeitstag beginnen...
Mittagspause - voller Freude machen wir uns auf den Weg Richtung Mittagessen. Dort wartet schon eine bunte Mischung an Gemüse und Soßen auf uns, die liebevoll von unserer Haushälterin gekocht wurden. Diese lassen wir uns mit dem säuerlichen, traditionellem-äthiopischen Injera schmecken. Es dauerte etwa drei Monate, bis ich mich daran gewöhnt hatte - jetzt ist es unersetzlich lecker.

Gleich nach der Mittagspause mache ich mich dann auf, um in die Stadt zu fahren. Dort soll ich Fotos für unsere Patenschaftsarbeit entwickeln lassen. Mit meinen paar Brocken Amharisch erkläre ich dem Fahrer eines kleinen, dreirädrigen Fahrzeugs - hier Bajaj genannt - wo es hingehen soll. Dann hüpfe ich in die kleine Kiste und schon geht es los. In der Stadt angekommen, drücke ich dem Fahrer ein paar Birr in die Hand und mache mich zu Fuß auf den Weg Richtung Fotostudio. Kaum ausgestiegen, bin ich schon von zwei Bettelkindern umringt, die mit großen Augen um Geld betteln. Ich versuche, mich durch das Getümmel an Menschen möglichst zügig durchzuschlängeln um bei den Taschendieben und neugierigen Äthiopiern auf der Straße nicht allzu aufzufallen. Allerdings lässt es sich nicht vermeiden, dass mir wieder ein Mann ein „Firenchee“ hinterherruft. Das bedeutet so viel wie „Weißer“ - ist aber nicht unbedingt böse gemeint, wie wenn man z.B. in Deutschland einem Schwarzen hinterherruft. Die Äthiopier sind meistens neugierig und wollen einfach nur reden, oder bieten mir etwas von ihrem Injera oder ihrer Kaudroge „Tschad“ an. Dankend winke ich ab und erreiche nun endlich das Fotostudio. Dort angekommen, begrüßt mich schon äthiopisch-christliche Musik. Die wird dort auch benötigt. Die Angestellten dort arbeiten so langsam, dass man ohne Abwechslung auf dem Wartestuhl einschlafen würde.

Nach einer Stunde bekomme ich dann meine 10 ausgedruckten Fotos und mache mich auf dem Weg zum Taxistand. Es geht wieder vorbei an bettelnden und kranken Leuten, vorbei an gut riechenden Gewürzständen des örtlichen Markt, vorbei an unzähligen Haarstudios mit laut dröhnender Musik und vorbei am hupenden und drängelndem Verkehr. Unterwegs treffe ich noch eine Gruppe Straßenkids, die mich sehnsüchtig fragen, wo Silas denn gerade ist und wann er mal wieder kommt. Ich erkläre ihnen, dass er gerade auf der Arbeit ist und quetsche mich anschließend in ein total überfülltes, glühend-heißes Taxi. Dieses bringt mich dann wieder an den etwas ruhigeren Stadtrand. An einem der vielen 1-qm Shops kaufe ich mir noch eine eisgekühlte Cola und schwitze noch ein paar Stunden im Büro.

Feierabend - wir machen uns auf den Weg nach Hause. Dort begrüßen uns stürmisch die Hunde. Diese bewachen unsere „kleine Familie“. Neben Silas & seiner Frau und mir wohnt noch Bineyam bei uns im Haus. Er ist ein ehemaliger Straßenjunge, der schon seit langem von Silas & Fire liebevoll aufgenommen wurde. Er ist mir ein guter Freund geworden. Wir hatten eine gute Gemeinschaft und viel Spaß miteinander. Außerdem haben wir in regelmäßigen, kleinen Kämpfen immer klargemacht, wer der Stärkere ist. Kurz umgezogen, dann schnappen Bineyam und ich unseren nicht aufgepumpten Fußball und gehen vor die Tür auf die Straße. Innerhalb kürzester Zeit stoßen die Nachbarjungs hinzu und wir haben im etwas kühleren Abendflair ein super Fußballspiel. Dieses wird nur ab und zu durch eine durchfahrende Pferdekutschen oder die kleinen Taxis gestört. Apropos Pferdekutschen - die Pferde werden hier in Äthiopien auch als „LKW“ geschunden - d.h. mit ihnen werden durch total große Ladungen Steine, Wasserbehälter, usw. befördert. Von den armen Tieren ist kaum eines dabei, das keinen blutenden Rücken hat.
Mit einem hungrigen Magen aber glücklichen Gesichtern waschen wir uns nach dem Spiel kurz und genießen das Abendessen. Dieses besteht natürlich auch wieder aus dem traditionellen Injera.

Mein Freund Bineyam & ich Mein Freund Bineyam & ich

Heute ist ein besonderer Tag. Wir erwarten noch Gäste, die wir für unseren neu gegründeten Bibelabend eingeladen haben. Schnell werden noch beim Nachbar ein paar Softdrinks und Kekse gekauft und das Wohnzimmer etwas für den Abend hergerichtet. Dann treffen schon ein paar Studenten ein, mit denen wir mehr über Gott lernen wollen. Pünktlich zu Beginn unserer Bibelstunde fällt dann natürlich der Strom aus. Mit Taschenlampen bewaffnet haben wir aber trotzdem einen gesegneten Abend. Wir können trotz der Sprachbarriere einen guten Austausch haben - Gott sei Dank!!
Leider ist das Jahr an der Uni aber jetzt fast vorbei und wir haben Angst, dass sich unser neu gegründeter kleiner Kreis wieder auflöst. Möge Gott schenken, dass auch in Zukunft Leute zu unserem Bibelkreis hinzustoßen, wenn die Studenten ausfallen.
Um kurz nach neun falle ich dann müde, aber glücklich in mein kleines Moskitozelt und freue mich auf die Nacht. Nachdem ich meine neuen Moskitostiche dieses Abends gekratzt habe, schlafe ich ein...

Bearbeiten der Patenschaftsbriefe im Office Bearbeiten der Patenschaftsbriefe im Office

So - ungefähr - sah mein Tagesablauf in Äthiopien aus. Es war aber nicht immer so spannend. Ein Tag im Büro unterscheidet sich normalerweise nicht allzu stark von einem Büroalltag in Deutschland. Aber ich konnte meine Fähigkeiten gut einbringen und dafür bin ich dankbar. Außerdem gab es natürlich auch Stimmungsschwankungen. Mal wäre ich lieber zu Hause gewesen und an anderen Tagen lief einfach alles super. Das Leben halt - bloß in Afrika. Es gab aber auch richtig erlebnissreiche Tage, in denen wir mit uns mit Straßenkids getroffen haben. Außerdem waren wir öfters in Monopol. Dort haben wir die Schule besucht und eine super Zeit mit den Kindern dort verbracht. Ich durfte sogar Einblicke in verschiedene Familien hier in Äthiopien und ihr einfaches Leben werfen. Ab und zu kamen auch Leute aus Deutschland zu Besuch. So konnte ich als Touristenführer aktiv sein und ihnen Nazreth und Umgebung zeigen.
In meiner Freizeit hatte ich meist kein festes Programm. Dadurch konnte ich mir gut Zeit für mich nehmen. Ich konnte lesen, in der Stadt unterwegs sein, die Umgebung erkundschaften, oder mit meinen Freunden in Deutschland übers Internet kommunizieren.
Ich durfte wirklich viele Erfahrungen sammeln und eine Menge neue Menschen kennenlernen. Gesamt hatte eine wirklich gesegnete Zeit. Dafür bin ich Gott sehr dankbar. Er hat mich bewahrt und gesegnet und seine Gnade geschenkt. Alle Ehre sei ihm dafür!

Fußballspielen mit den Kids aus Monopol Fußballspielen mit den Kids aus Monopol

©by Raphael Griesbaum, 15.07.2014, Ethiopia, Adama

 

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